Eine Klippe ist auch keine Lösung

Vor langer, langer Zeit gab es einen RPG-Beitrag. Er bestand aus zwei Sätzen. Sie lauteten wie folgt:

„XY ging weg und wollte nie wieder kommen.“
„XY fiel eine Klippe runter, war tot.“

Liebe Mitspielerinnen und Mitspieler, die dem Wolfsrollenspiel nicht abgeneigt sind:
Mit dem Forenrollenspiel habt ihr euch für einen Randbereich des Rollenspiels entschieden. Und in diesem Randbereich habt ihr euch einen Randbereich gesucht. Das Wolfsrollenspiel. Wir befinden uns also im Randbereich des Randbereiches.
Aber muss deswegen die Kreativität auf der Strecke bleiben?
Ich sage: Nein!
Denn wer sich für einen Wolf entscheidet, der ist sowieso schon mal sehr kreativ. Für einen Menschen, einen Vampiren oder einen Elfen gibt es immerhin genug Vorlagen. Aber einen Wolf? Da muss man sich schon selbst Gedanken machen. Ein Wolf hat in der Regel keinen Beruf gelernt, ist in keinem Sportverein und war auch nicht im Kindergarten. Wölfe haben andere Probleme, die sich doch ganz oft ähneln, wenn es an die Hintergrundgeschichte geht. Denn bevor es losgeht mit dem Spiel, bevor man seinen Charakter hineinwirft in den Plot, da muss man erst mal einen Steckbrief erstellen, der unter anderem auch die Vergangenheit deines Wölfchens verlangt.

Wahrscheinlich läuft Kindheit und Jugend von 98% der wildlebenden Wolfspopulation so ab:
Der Welpe wird von seinen Eltern großgezogen, und wenn er seinen kritischen, ersten Winter überlebt, dann wird er eines Tages mit seinen Geschwistern davonziehen, jeder wird sein eigenes Rudel gründen und eigene Welpen haben, mit denen sich die Geschichte wiederholt.
Klingt natürlich nur mäßig spannend für deinen Rollenspielcharakter. Der soll immerhin was erlebt haben, damit er auch coole Geschichten erzählen kann, oder weil eine Erklärung für seine traurig-grimmige Stimmung von Nöten ist.
Plötzlich verstorbene Familienmitglieder, Liebschaften oder Feinde eignen sich da immer gut. Und hier kommt der Punkt, an dem bei vielen, vielen Rollenspielern die Kreativität plötzlich ins Wachkoma fällt. Denn wenn es darum geht, einen Wolf von der Bildfläche verschwinden zu lassen, dann wird die Universal-Klippe ausgepackt. Dieses miese Stück Fels, das wie aus dem nichts auftaucht und gnadenlos Freunde und Feinde in den Tod reißt.
Man wählt die Klippe, wenn man einen Wolf in der Vergangenheit umgebracht hat.
Getötet durch deinen eigenen Biss? Viel zu dramatisch! Die Klippe war nicht mal dein direktes Verschulden, die Klippe war einfach da, und da ist dein Feind nun mal runter gestürzt, was dich schon zum obercoolen Wolfsmörder macht. Aber eben nur indirekt, verstehst du?
Die Klippe ist auch prima, wenn man sich selbst dort runter stürzen möchte. Weil man eine Amnesie braucht, zum Beispiel. Oder ganz viele Narben hat die man erklären muss. Oder weil sich ein spektakulärer Unfall einfach gut macht im Lebenslauf.
Man hat sich natürlich nie lebensgefährlich verletzt, außer man möchte sich wie besagter Protagonist aus dem Leben verabschieden.
Die Klippe wird derart inflationär gebraucht, dass man meinen könnte die Welt, in der die Charaktere leben sei ein riesiges, sturmumtobtes Plateau, durchzogen von messerscharfen Schluchten, die nur darauf warten, unschuldige Wölfe zu verschlingen.

Aber mal ehrlich, habt ihr das nötig? Ihr habt mehr drauf als eine dumme Klippe, wenn ihr einen spektakulären Punkt in eurer Hintergrundgeschichte braucht. Wölfe sterben in freier Wildbahn an Verletzungen, ja, an popeligen, kleinen Verletzungen. Die haben kein Penicillin, dafür aber fiese Infektionen. Die haben vielleicht Tollwut oder Staupe, oder sie erfrieren oder verhungern. Die werden von einem Büffel getötet, oder meinetwegen auch von einem Jäger, wenn ihr Menschen in eurer Welt habt.
Ihr seht, es gibt doch noch so viele andere, kreative Möglichkeiten, wenn es darum geht, einen Wolf über die Klipp..eh Klinge springen zu lassen.

Ach so, und falls ihr euch nicht von eurer Klippe trennen wollt, dann sorgt bitte dafür, das ihr sie auch korrekt einsetzt. Eine Klippe ist nämlich, laut Wikipedia-Definition ein Fels im Wasser, der über dem Niveau des umgebenden Meer- oder Seebodens liegt und dabei wenig über die Wasseroberfläche emporragt oder bis nahe an die Oberfläche reicht.

Falls der arme Wolf den Sturz überleben sollte, kann er danach absaufen.

Auch mal ein kreativer Tod.

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