Kryptonit für alle!

Ich fand Lucky Luke immer doof. Und nein, das hatte nichts damit zu tun dass ich als Mädchen nicht der Zielgruppe angehörte. Dieser Typ war einfach sterbenslangweilig. Er war stets schlauer als alle anderen und konnte durch nix aus der Ruhe gebracht werden, weil er schneller als sein Schatten schießen konnte. Seinen vielleicht einzigen Makel, die Nikotinsucht, hat man ihm in den achtziger Jahren auch noch abgewöhnt. Zu schlechtes Vorbild für die Kinder. Statt Zigarette kaute er dann auf einem Grashalm herum. Und war auch noch stolz drauf.
Aber wisst ihr, wen ich als einzigen cool fand? Rantanplan. Das war der dusselige Köter, der nichts auf die Reihe bekommen hat, Freund und Feind verwechselte, Spuren nicht richtig lesen konnte und grundsätzlich das Falsche getan hat. Rantanplan war ein Loser, aber ein liebenswerter, sympathischer Loser. Und damit für mich hundert mal interessanter als dieser Cowboy, der eh schon alles konnte.

Superman ist auch so ein Fall. Seine einzige Schwäche, Kryptonit, wurde erst viel später erfunden. Und zwar während einer Superman-Radio-Show, um den kurzzeitigen Stimmwechsel der Hauptperson zu erklären, da der ursprüngliche Sprecher krankheitsbedingt ausgefallen war. Wäre also irgendein Synchronsprecher damals nicht krank geworden, wäre Superman vielleicht immer noch der superstarke Alleskönner ohne Achillesverse. Wer zum Henker findet das spannend?

Ich will niemanden sehen, der immer gewinnt, der niemals scheitert. Ich will keine Lucky Lukes und Supermans, und ich finde nicht nur Charaktere brauchen Kryptonit, Plots brauchen es auch.
Warum seine Charaktere nicht mal auf Mission ins Ungewisse schicken? Warum nicht die Gruppe aufteilen, sie auf kuriose NSCs treffen lassen oder ein großes Ziel aufstellen, das es zu erreichen gilt? Warum die Charaktere nicht scheitern lassen? Und ja, mit Absicht! Nicht um deine Spieler fertig zu machen, nicht um sie zu demütigen. Nein, um sie zu fordern! Wer immer ein Sonnenscheinleben lebt, wer niemals für etwas kämpfen muss, was ihm wichtig ist, der langweilt sich über kurz oder lang. Was ist deinen Spielern wichtig? Finde es heraus, nimm es ihnen weg und gib ihnen eine Möglichkeit, es zurück zu bekommen. Belohne sie.
So funktioniert Pen ’n‘ Paper, es gibt ein „Abenteuer“, was die „Helden“ bestehen müssen und am Ende, wenn sie siegreich sind werden sie belohnt. Warum nicht ein bisschen davon auf das Forenrollenspiel übertragen? Spieler reden dann vielleicht noch Jahre später über den coolen Plot, wo sie gegen das böse Nichts gekämpft haben. Sie haben zusammen etwas erreicht, etwas wichtiges. Und das schweißt zusammen. Spieler, wie Charaktere.
Schluss mit Friede, Freude, Eierkuchen. Her mit dem Kryptonit. Nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance für cooles, frisches, Spiel.

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Eine Antwort zu “Kryptonit für alle!

  1. Darauf habe ich bisher bei meinen RPGs gar nicht geachtet – bei den Charakteren schon, aber nicht bei den Plots. Danke für den Tipp! Ich werde beim nächsten Mal mehr darauf achten. (Und sehr motivierend geschrieben hast du das!) 😀

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