Von Karate und Haustieren – Für Spielleitungen

Stell dir vor…
Du liebst Karate. Du hast schon etliche Gürtel und vielleicht schon den ein oder anderen Dan. Jeden Tag zum Training zu gehen reicht dir irgendwann nicht mehr. Du möchtest etwas für andere tun, dein Wissen weiter geben…
Also fängst du an, einen Kurs zu leiten. Der Kurs ist kostenlos, denn du macht das nicht um reich zu werden, sondern weil es dir Spaß macht anderen was beizubringen und ihnen etwas bieten zu können. Anfangs läuft es richtig gut, dein Kurs wird gut besucht und man lobt dich für deinen Einsatz.
Dann schleicht sich die Routine ein. Die Kursteilnehmer sind fordernd, bombardieren dich mit Fragen. Für jede Kleinigkeit wirst du zu Rate gezogen. Ein nerviges Kind stört die anderen Kursteilnehmer, jemand hat seinen Karateanzug vergessen, das Klo ist verstopft, zwei Teilnehmer streiten sich und du musst schlichten usw.
Das ganze ist anstrengender, als du dachtest. Das anfängliche Lob wird immer weniger, stattdessen hat man nun Erwartungen an dich. Als du den Kurs zum ersten Mal ausfallen lässt, sagst du allen noch Bescheid. Beim zweiten Mal nicht mehr. So ein undankbares Volk. Du hast dir solche Mühe gemacht. Du bietest ihnen deine Arbeit KOSTENLOS an und sie hören trotzdem nicht auf, dich zu nerven. „Wann geht es denn weiter?“ „Warum kommst du nicht mehr?“ „Wie warten auf dich!“ Du wolltest doch nur einen ruhigen, angenehmen Kurs geben und Leuten Freude bereiten, aber die Arbeit wächst dir über den Kopf. Schließlich triffst du eine Entscheidung und schreibst eine Nachricht an all deine Teilnehmer:
„Es tut mir Leid, aber ich muss den Kurs beenden. Bitte seid nicht böse, es war doch sowieso kostenlos.“

Was das ganze mit Foren-Rollenspiel zu tun hat?
Nun, jeder erfahrene Forenrollenspieler hat schon mal eine Spielleitung erlebt, die so oder so ähnlich gehandelt hat. Es ist kein Geheimnis, dass neue Foren misstrauisch beäugt werden. Schnell wird das Vorurteil in den Raum gestellt, sie würden eh nicht länger als ein Jahr durchhalten. Grund für dieses Misstrauen ist Erfahrung. Viele Spieler haben eine falsche Vorstellung davon, wie es ist ein Forum zu leiten. Sie unterschätzen die Arbeit, die Verantwortung und die Zeit, die sie investieren müssen. Ganz oft führt das dazu, dass es ein Forum mit aktiven, motivierten Spielern gibt, die nichts machen können, weil ihnen die Spielleitung keine Plots liefert, sich nicht um inaktive Spieler kümmert oder neue Mitglieder annimmt.
Jeder, der ein Forum leiten möchte muss sich im Grunde die selben Fragen stellen, die es bei der Anschaffung eines Haustieres zu beachten gilt:

  • Habe ich die Zeit, mich um ein Forum zu kümmern?
  • Welche genauen Aufgaben umfasst die Pflege eines Forums (HTML, Grafiken etc) ?
  • Wer kümmert sich um mein Forum, wenn ich krank / im Urlaub bin?
  • Kann ich meine Spieler regelmäßig bespaßen und bei Laune halten mit frischen Plots?
  • Kann ich mich auch in schlechten Zeiten um mein Forum kümmern? Wenn es viele inaktive Spieler gibt? Wenn ich mir Kritik anhören muss? Wenn viele Spieler wieder gehen? Kann mein Stolz das vertragen, dass sie mein Konzept nicht gut finden?
  • Bin ich der Verantwortung wirklich alleine gewachsen, oder brauche ich Hilfe?

Bei einem Haustier übernimmt man Verantwortung für ein Lebewesen, die man nicht einfach wieder von sich schieben kann, wenn es schwierig wird. Bei einem Forum übernimmt man Verantwortung für seine Spieler. Also überlegt euch Anfangs sehr genau, ob ihr ein Forum leiten könnt. Falls ja, dann seid fair euren Mitspielern gegenüber, werdet nicht einfach inaktiv, wenn es zu Problemen kommt, bietet ihnen Spielmöglichkeiten an oder holt euch Hilfe. Stellt Moderatoren ein, die euch Arbeit abnehmen.
Und wenn alles nichts hilft, das wahre Leben seinen Tribut fordert und ihr mit dem Gedanken spielt zu schließen: Warum das Forum nicht abgeben? Vielleicht findet sich ein motivierter Spieler, der eure Idee großartig findet und das Rollenspiel weiter führen will. So können deine Mitglieder ihre Charaktere weiter spielen, das Forum existiert noch, und ihr könnt ruhigen Gewissens anderen Dingen nachgehen.

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5 Antworten zu “Von Karate und Haustieren – Für Spielleitungen

  1. Alles richtig und gut, dass du es mal schreibst. Aaaber: Gibts schon einen Beitrag, der das Problem von der anderen Seite her beleuchtet? Wenn man sich als Spielleitung den Hintern aufreißt, um Feedback bettelt, aber von den Spielern trotzdem nichts zurückkommt? Das wäre auch mal schön 🙂

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