Sei besonders, nicht extrem

Ich schrieb bereits in meinem Artikel über das Powerplay, das viele Spieler einen besonderen Charakter haben wollen, jemand außergewöhnliches oder einzigartiges, am Ende aber nur mit einem viel zu extremen Übercharakter aufwarten, der anderen Spielern nur genervtes Augenrollen statt Bewunderung entlockt.

Woran liegt das?

Nun, jeder hatte an seiner Schule oder in seiner Klasse dieses eine Kind, was einfach alles konnte und wusste. Er oder sie schrieb eine eins nach der anderen, war erfolgreich im Sport, hatte nie Geldprobleme und war zudem noch verboten hübsch. JEDER von uns ist so einem Menschen schon mal begegnet. Und wir haben sie gehasst.

Neid ist ein natürliches, menschliches Verhalten und darauf begründet, dass wir diese schönen Dinge selbst gerne hätten.

Im Rollenspiel können wir sein wer wir wollen, also warum nicht das Idealbild schaffen, von dem wir immer geträumt haben? Endlich bekomme ich die Anerkennung, endlich schauen andere zu mir auf, oder fürchten mich, und sei es nur mit ihren eigenen, fiktiven Charakteren. Endlich bin ich wichtig, denn es steht ja hier, in meinem Charakterbogen, das ich wichtig bin.Auf der anderen Seite sind da die Mitspieler, die diesen Bogen lesen und sich denken:

Oh, ein Möchtegern, der alles kann, alles weiß und natürlich unheimlich gut aussieht dabei. Was für ein Blödmann.

Niemand mag Charaktere, die ALLES können. Menschen mit Schwächen und sonderbaren Ticks werden gemocht, weil sie dadurch menschlich und interessant werden. Und das meine ich mit >besonders<:

Such dir z.B eine Angewohnheit aus, die du ab und zu ausspielen kannst. Nichts großes. Dein Charakter kratzt sich auf, wenn er nervös wird, er hat eine Lieblingsserie, die er in und auswendig kennt und jedem berichten muss, was in der letzten Folge passiert ist, dein Wolf bevorzugt nur eine bestimmte Art von Beutetieren, weil die ihm am besten schmecken… Oder sei vielleicht nicht der Charakter, der seine ganze Familie auf tragische Art und Weise verloren hat, sondern hab ein gutes Verhältnis und halte vielleicht noch Kontakt. Eine Familie haben kann durchaus praktisch sein, wenn man plötzlich Geld braucht oder eine Unterkunft. Sei kein geschlagenes, geprügeltes Kind, sondern ein verhätscheltes, mit Liebe überhäuftes Gör, dass von zu Hause auszieht und in der Welt außerhalb seiner Familie nicht klar kommt. Und wenn du doch lieber geschlagen und misshandelt sein willst, dann nimm dir nicht die Hoffnung, die Lebensfreude, dann sei kein wimmerndes Häufchen Elend sondern versuche stark zu sein, auch wenn es nicht immer klappt.

Lass deinen Charakter straucheln, fallen und wieder aufstehen. Mach ihn vielleicht nicht grausam, machthungrig oder wunderschön, sondern freundlich, schüchtern und ein bisschen vernarbt. Lass ihn jähzornig sein wenn er es ist, aber lebe dann auch mit den Konsequenzen. Dann lass ihn sich entschuldigen, wenn es nötig ist. Übertreibe nichts. Niemand ist nur böse, nur traurig, nur ängstlich, nur gut gelaunt.

Auch die Einserschüler aus unserer Vergangenheit hatten schlechte Eigenschaften, sind gescheitert und manchmal traurig gewesen.

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