Powerplay

„Wir wünschen kein Powerplay in unserem RPG!“

Es steht oft in den Verhaltensregeln vieler Foren. Doch was bedeutet es eigentlich?
Ursprünglich stammt dieser Begriff aus dem Sportbereich. Beim Eishockey bezeichnet man eine Überzahlsituation als Powerplay.
Ein Spieler aus Mannschaft A hat eine Zeitstrafe erhalten und muss darum 2 Minuten lang aussetzen. Mannschaft B hat dadurch einen signifikanten Vorteil gegenüber Mannschaft A, die jetzt in der Unterzahl ist.

Beim Pen ’n‘ Paper, wo die Stärken und Schwächen eines Charakters mit festen Zahlenwerten niedergeschrieben werden, äußert sich der Powerplayer dadurch, das er durch geschicktes rechnen und kalkulieren einen möglichst starken Charakter erhalten will. Ihm geht es nicht um Interaktion oder Atmosphäre, sondern ganz allein darum jedes Monster möglichst schnell zu Mus kloppen zu können. Dann will er die Schatztruhe plündern, sich noch stärkere Waffen kaufen und nächstes Mal die Monster noch schneller zu Mus kloppen.
Solche Leute spielen arme Bergarbeiter, die keine Hintergrundgeschichte haben und auch keinen Grund, auf Abenteuerreise zu gehen, dafür aber stark genug sind um zwei Streithämmer auf einmal schwingen können, was gleich doppelten Schaden verursacht.
Für sie ist Rollenspiel lediglich die Jagd nach Zahlen und Punkten. Ihr einziges Ziel ist es, immer „besser“ zu sein als alle anderen.

Im Foren-Rollenspiel gibt es keine Zahlen und Punkte und um Erfolge wird auch nicht gewürfelt. Hier möchte man „zusammen“ etwas erschaffen. Doch wie bei allen Dingen, die in Zusammenarbeit passieren sollen, funktioniert ohne Teamarbeit leider gar nichts.
Das bedeutet auch, die eigenen Wünsche und Vorlieben für die anderen zurückzustecken.

Der Powerplayer der Forenwelt meint es am Anfang vielleicht nicht einmal böse. Er ist völlig neu in diese Welt hinein gestolpert und erst mal fasziniert von den Möglichkeiten. Er kann seinen eigenen Charakter nach eigenen Vorgaben erschaffen und ist nur durch wenige Regeln beschränkt. Er kann ihm jede Hintergrundgeschichte geben und wir alle wissen, dass es einen dazu verleitet etwas tolles, einzigartiges und besonderes schaffen zu wollen.

Hier ist der Punkt, an dem viele Spieler scheitern:
Sie verwechseln „besonders“ mit „extrem“.

Der Charakter ist extrem stark, gleichzeitig auch extrem klug, extrem jung aber trotzdem extrem weise. Er ist extrem grausam und extrem charmant. Er ist einfach alles auf einmal und auf jedem seiner Gebiete ein Experte. Das klingt für seinen Spieler extrem großartig, für seine Mitspieler ist es nur extrem nervig. Vergiss nicht, das Rollenspiel ein Teamsport ist! Die anderen sind nicht dazu da, dich gut aussehen zu lassen oder dich zu bewundern. Sie wollen auch das ihre Charaktere respektiert und akzeptiert werden und nicht nur Statisten sein für jemanden, der sich selbst zum Hauptdarsteller ernannt hat.

Dazu zählt nicht nur die Übertreibung deines Charakters, sondern auch das „Fremdsteuern“ anderer Charaktere. Wenn man es sich mit seinem Mitspieler ganz schnell verderben will, dann schreibt man Dinge wie:

„Sein Gegenüber musste einfach eingeschüchtert sein, so bedrohlich wie Trevor sich aufbaute.“

„Lisa beschloss, die Richtung zu ändern. Ihr Gesprächspartner folgte ihr.“

„Nikita biss Ron in die Schulter und fügte ihm eine schwere Verletzung zu. Er würde nicht mehr aufstehen können.“

Wenn du möchtest, dass dein Charakter bedrohlich wirkt, dann reicht es einfach nicht es nur in den Bogen zu schreiben oder andere Charaktere zu zwingen, eingeschüchtert zu sein. Wenn er bedrohlich sein soll, dann musst du ihn so spielen, das man es dir glaubt. Zum Beispiel beobachtet er andere Charaktere lange, bevor er sie anspricht, er nähert sich immer von Hinten, er blinzelt fast nie, er spricht selten und nie sonderlich viel. Wenn du ein bisschen was davon in jeden deiner Posts unterbringst, wird sich der bedrohliche Effekt von ganz alleine einstellen.

Wenn in Billy Bobs Charakterbogen steht „Ist charmant und wickelt jede um den Finger“, dann nutzt das rein gar nichts, wenn er bei Gesprächen mit dem anderen Geschlecht Sätze bringt wie „Du bist der süßeste Snack, der mir je über den Weg gelaufen ist. Darf ich dich ohne Reue vernaschen?“ und sich danach wundert, warum er eine Ohrfeige kassiert hat.

Ein letzter Punkt, der noch vermieden werden sollte wäre das nicht eingehen auf die Posts deiner Mitspieler. Wenn man deinem Charakter eine Frage stellt, sollte er bestenfalls antworten. Will er nicht (aus welchen Gründen auch immer) kann er sich wegdrehen, gehen, oder einfach sagen, das er darauf nicht antworten mag. Aber bedenke, das komplette Ignoranz die schlechteste aller möglichen Reaktionen ist.

Zusammenfassung:

  • Versuche nicht „besser“ zu sein als alle anderen
  • Sei besonders, nicht extrem
  • Lasse Taten sprechen, nicht Charakterbögen
  • Sag deinen Mitspielern nicht, wie sich ihre Charaktere zu fühlen haben.
  • Rollenspiel ist Teamsport: Du schreibst für deine Spieler und sie schreiben für dich.
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4 Antworten zu “Powerplay

  1. Beschreibt Powerplay nicht schlichtweg die Handlung, den Charakter eines anderen Spielers ohne Absprache mitzuplayen? Also quasi zu schreiben „Er folgte ihm ohne Widerworte“ ohne dass derjenige, der folgt, seine Zusage gegeben hat? Das lässt du hier komplett unter den Tisch fallen und dabei beschreibt es dass meiner Meinung nach am Besten.

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    • Der Punkt den du kritisierst habe ich im Artikel erwähnt (Mit Beispiel):

      Zitat aus dem Artikel „Powerplay“:
      „Dazu zählt nicht nur die Übertreibung deines Charakters, sondern auch das “Fremdsteuern” anderer Charaktere (…)“

      Zitat aus dem Artikel „Powerplay“:
      “Wenn man es sich mit seinem Mitspieler ganz schnell verderben will, dann schreibt man Dinge wie:
      Lisa beschloss, die Richtung zu ändern. Ihr Gesprächspartner folgte ihr.”

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      • Gut dann muss ich mich korrigieren^^ ich denke allerdings dennoch dass das einer der wichtigsten Punkte ist, da er am Häufigsten vorkommt meiner Meinung nach. Was hast du für Erfahrungen in die Richtung gemacht?

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      • Da bin ich ganz bei dir. Ich würde sogar behaupten alle Facetten des Powerplays (Fremdsteuerung, übertriebene Charaktereigenschaften, zu extreme Charaktere generell, die Erwartung, dass die anderen dazu da sind um „mich“ zu bespaßen) sind wichtig, darum habe ich sie auch in den Artikel geschrieben.

        Ich habe so ziemlich alles selbst erlebt, was ich dort anführe. Den Bergmann mit den zwei Streithämmern hat es wirklich gegeben (in meiner DSA-Runde damals). Ebenso habe ich Charakterbögen gelesen in denen stand, wie sagenhaft charismatisch der Charakter doch ist. Der Spieler hat ihn aber gespielt wie eine selbstgefällige Nervensäge. Ich habe Spieler erlebt, die mit ihren Charakteren andere Charaktere nicht ernst genommen und öffentlich verspottet haben, obwohl sie ein kleines Licht waren und ihr Gegenüber eine Respektsperson. Ich habe auch Fremdsteuerung erlebt, aber das ist zum Glück schon sehr lange her.

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