Warum Antihelden schlechte Rollenspielcharaktere sind

Wusstest ihr eigentlich, das meine erste große Liebe Vegeta aus Dragonball Z war?
Ja wirklich, kein Scherz. Dragonball hat mich zum Animefan gemacht damals. Mein erster Manga war Dragonball und ich habe da nicht nur meine Liebe zu Animes, sondern auch zu den Antihelden entdeckt. Denn nach Vegeta kamen noch so ein paar andere Herren, meist aus dem Animebereich (*hust Sasuke *hust*) die sich zwar wie die Axt im Walde benahmen, aber tief in ihrem Innern einen ganz weichen Kern haben und die ich darum einfach lieb haben musste.

Wenn man dann das Rollenspiel für sich entdeckt liegt es natürlich nahe, einen Charakter spielen zu wollen der genauso „cool“ und „badass“ ist wie die abgebrühte Drecksau, die man bisher immer nur angehimmelt hat.
Habt ihr auch schon mal drüber nachgedacht? Einen Charakter mit tragischer Hintergrundgeschichte, der niemals lächelt und scheinbar ein großes Geheimnis mit sich herum trägt ist GENAU das richtige und klingt nach einem riesen Spaß?

Ich muss euch leider enttäuschen. „Spaß“ hat mit dieser Art von Charakteren leider niemand.  Nicht mal ihr selbst. Versprochen.

Warum ist das so?

Nun, zuerst muss man sich klar werden wie die Figur des „Antihelden“ überhaupt funktionieren kann.

Das geschieht durch seine Beziehung mit den anderen Charakteren. In einer Geschichte, Manga oder Film meist also mit den Protagonisten. Dumm nur, dass das leider völlig andere Dinge als RPG’s sind, und man diese zweite Genres so gut wie gar nicht miteinander vergleichen kann.

Hier ein Beispiel:
Stell dir vor, du bist wieder in der Grundschule. Es ist Pause und du spielst mit deinen Freunden draußen Fangen. Die ganze Zeit beobachtet euch ein Kind von der anderen Seite des Schulhofes. Es lacht nicht, es bewegt sich nicht. Es sitzt nur da und schaut euch ausdruckslos zu. Vielleicht trägt es noch einen schwarzen Hoodie und hat die Kapuze sehr tief ins Gesicht gezogen. Das ganze wird euch irgendwann unheimlich und aus Mitleid erbarmst du dich, gehst zu dem Kind und fragst ob es mitspielen möchte. Aber als Antwort auf deine Einladung kassierst du bloß einen abwertenden Blick und vielleicht noch einen abschätzigen Kommentar. Alles klar. Das andere Kind ist viel zu „cool“ um mit zuspielen. Du kehrst zu deinen Freunden zurück und anstatt ehrfürchtig und beeindruckt zu sein und auf jeden Fall raus finden zu wollen was dieses arme Wesen in seiner Vergangenheit erlebt hat, denkt ihr euch lediglich: Was für ein Idiot.

Falls ihr dieses Kind gewesen seid, dann habt ihr zwar vielleicht eurem Charakter entsprechend gehandelt, aber gewonnen habt ihr gar nichts. Ihr seid immer noch allein und könnt jetzt mit euch selber Fangen spielen. Yay!

Antihelden leben davon, das andere Charaktere auf sie eingehen. In Filmen, Animes oder Büchern funktioniert das, denn da gibt es nur einen „Spielleiter“. Nämlich den Drehbuchschreiber, den Regisseur oder den Autor. Er hat einen festen Plan, was mit seinen Figuren passieren soll.

Im Rollenspiel ist aber JEDER der Hauptdarsteller, der Regisseur und der Drehbuchautor..

Wir alle wollen unseren Charakter etwas tolles, cooles oder auch tragisches erleben lassen. Daran besteht der Reiz des Rollenspiels. Es ist ein aktives agieren und reagieren. Wir können keinen schweigsames, arrogantes Arschloch spielen, selbst wenn er tief im Innern eigentlich ganz anders ist. Denn wir kommen gar nicht dazu, jemandem unseren weichen Kern zu zeigen, es sei denn wir schmeißen ihn unserem gegenüber beim zweiten Gespräch sofort vor die Füße. Das macht unseren Charakter dann aber hochgradig unglaubwürdig.

Aber ich möchte doch unbedingt so einen Antihelden-mäßigen Chara spielen! Gibt es da gar keine Möglichkeit?

Hmm. Ich sage ja, die gibt es. Nur muss man sich dafür vom „Vegeta-Vorbild“ lösen und etwas, na ja „angepasster“ spielen.

Mehr dazu in meinem nächsten Artikel:

Was dem Antihelden am nächsten kommt

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